#metoo frisst seine Kinder

Hand aufs Herz, die Damen: Stehen Sie auf ältere Männer? Ja, Nein, Vielleicht? Oder ist diese Frage etwa unangebracht?

Hollywoodschauspieler Morgan Freeman hat wegen dieser Frage jedenfalls ein ziemlich dickes Problem: Sexuelle Belästigung lautet der Vorwurf – oder besser gesagt: #Metoo.

Es wird bereits spekuliert, ob dem „Sextäter“ Morgan Freeman seine zahlreichen Auszeichnungen aberkannt werden sollen – Erste Werbeverträge sind bereits gekündigt. Mittlerweile vergleicht man den Hollywoodstar sogar mit Harvey Weinstein, dem man allerdings Vergewaltigung vorwirft.

In Schweden wäre das Freeman sicher nicht passiert. Dort gilt nämlich jetzt: „Ja heißt Ja“.

Vor jeder einzelnen sexuellen Handlung muss ausdrücklich zugestimmt werden:
„Darf ich Deinen Oberschenkel berühren?“ „Ja“.
„Darf ich meinen Penis in Dich einführen?“ „Ja“
„Darf ich Deinen Penis vorher noch in den Mund nehmen?“ „Ja“
Dann ist aber der Satz „Stehst Du auf ältere Männer?“ völlig ok. Lautet die Antwort „Nein“ weiß man woran man ist, bei „Ja“ auch.

Aber Freeman lebt ja nicht in Schweden. Und außerdem soll der Satz nach Auffassung von selbsterklärten Belästigungsexpert*innen trotzdem sexuell belästigend sein.

Zwar hat Freeman niemanden angefasst oder sexuell missbraucht. Auch hat er – anders als die Vorwürfe gegen Harvey Weinstein – niemanden vergewaltigt.

Aber was jemand als sexuell und als belästigend fühlt, ist schließlich rein subjektiv: Das Erzählen schmutziger Witze? Offensives Anstarren? Pfeifen und Nachrufe? Unerwünschte körperliche Berührung?

Letzte Woche sagte eine Kollegin: „Wenn Raffaele (gutaussehend, 25, italienischer Praktikant) mir einen unanständigen Witz erzählt, find ich das ziemlich sexy. Wenn Hartmut (59, kahlköpfig, übergewichtig) mir sagt, dass mir mein Kleid gutsteht, finde ich das belästigend“.

Könnte also am Ende etwas dran sein, dass es beim Flirten gar nicht so sehr darauf ankommt was man sagt, sondern wer es sagt? Dennoch ist es in Zeiten von #metoo sicher in Ordnung, Hartmut öffentlich der sexuellen Belästigung in Form von #metoo zu bezichtigen – am besten noch in einem Atemzug mit Harvey Weinstein – Oder wäre das womöglich unverhältnismäßig?

Schließlich hat Hartmut nur ein paar ungeschickte „Komplimente“ ausgesprochen, Weinstein hingegen vielleicht jemanden vergewaltigt? Der Vorwurf aber bliebe derselbe: #Metoo!

Irgendwie unfair, auch gegenüber Opfern von Vergewaltigung – meint zumindest die Schauspielerin Sophia Thomalla.Eines aber haben sowohl Freeman als auch Weinstein gemeinsam: kein Gerichtsurteil, nur Vorverurteilung. Schuld oder Unschuld sind bis dato weder überprüft noch gerichtlich festgestellt.

Allerdings soll Morgan Freeman laut #metoo-Vorwurf zu einer Journalistin auch noch gesagt haben „Das Vergnügen war ganz meinerseits. Sehen Sie sich an!“
Ziemlich uncharmant – finden Sie nicht auch?

Dann ist es womöglich auch in Ordnung Freeman an den Pranger der Weltöffentlichkeit zu stellen und sein gesamtes Lebenswerk zu zerstören, selbst wenn solche Sätze bisher nicht strafbar sind, weder in Schweden noch sonst wo auf der Welt.

In diesem Sinne, liebe Leserin: Das Vergnügen war ganz meinerseits.

 

https://www.huffingtonpost.de/entry/schweden-ja-heisst-ja-weinstein-freeman_de_5b54d696e4b0b15aba8ff927

2018-07-30T13:02:16+00:00 Von |