#Shetoo – #Metoo frisst seine Kinder

#Metoo ist unweigerlich mit Hollywood-Mogul Harvey Weinstein verknüpft. Jetzt steht aber ausgerechnet die Frau am Pranger, die Weinstein der Vergewaltigung bezichtigte und damit die #MeToo-Debatte ins Rollen brachte. Der Grund: Sie soll einen damals minderjährigen Schauspielkollegen sexuell angegriffen und ihm jetzt Schweigegeld bezahlt haben.

Wer nicht für #Metoo ist, ist womöglich selbst Metoo-Täter und so wurden der Metoo-Bewegung kritisch gegenüberstehende Stimmen jeher zum Schweigen verdammt.

Ein Vorgehen das an die dunkle Zeit des Nationalsozialismus erinnert – aber auch solche Vergleiche werden (mit derselben Masche) im Keim erstickt.

Und so kam es, dass aus einem Synonym für mutmaßlichen Machtmissbrauch und mutmaßliche Vergewaltigung zuletzt auch mutmaßliche Anmachsprüche dazu führten, dass der eines Metoo-Übergriffs öffentlich Bezichtigte alles verliert: Job, Familie, Ruf sowieso – Und das wohlgemerkt noch eh irgendwelche behördlichen Ermittlungen angestellt werden oder gar ein rechtskräftiges Gerichtsurteil die Vorwürfe verifiziert.

Trauriger Höhepunkt: Der am vergangenen Wochenende angelaufene Film „BILLIONAIRE BOYS CLUB“ mit Kevin Spacey, der am ersten Tag gerade einmal 126 Dollar in den USA einspielte – bei Produktionskosten von rund 15 Mio Dollar.

Anders als die Regisseur Ridley Scott oder der Streaming-Dienst Netflix, die schon ob der bloßen (unbestätigten) Vorwürfe gegen Spacey jedwede Zusammenarbeit mit ihm abrupt beendeten, hielten die Macher von „Billionaire Boys Club“ an dem Projekt mit Spacey fest. „Wir hoffen, dass die erschreckenden Anschuldigungen, die sich auf das Verhalten einer Person beziehen, nicht den gesamten Film beschmutzen“ hieß es seitens des Filmverleihs kurz vor Veröffentlichung…

Dass Kevin Spacey bis heute die gegen ihn erhobenen Vorwürfe vehement bestreitet, ja noch nicht einmal eine Anklage erhoben ist, interessiert niemanden. Zwar steht es Aussage gegen Aussage, doch davon hält die #Metoo-Bewegung ebenso wenig wie von der Unschuldsvermutung.

Es gilt: Wer behauptet Opfer von #metoo zu sein ist auch Opfer von #metoo – Wieso sollte denn jemand sonst solche Anschuldigungen erheben?

Die Frage, warum fast alle #Metoo-Opfer erst Jahre, sogar Jahrzehnte später auspacken ist ebenso unerwünscht, wie der Hinweis darauf, dass autobiografische Erinnerungen bei der Übertragung vom Kurzzeit- ins Langzeitgedächtnis erwiesener Maßen neu zusammengesetzt, geschönt und ergänzt werden und auch Phänomene wie Pseudoerinnerungen, Beeinflussung, psychische Erkrankung und Autosuggestion Ursache für Erlebnisschilderungen sein können, die nicht der Wirklichkeit entsprechen – bewusste Falschaussagen aus Motiven wie Rache, Eifersucht, Selbstschutz oder sich schlicht mal wieder in der Öffentlichkeit positionieren, gänzlich ausgeklammert.

Was #Metoo genau ist, bzw. welche Verhaltensweisen überhaupt unter #Metoo fallen, interessiert auch nicht weiter. „Sexueller Übergriff“ heißt es bei Wikipedia. Aber auch das ist ein weit auslegungsfähiger Begriff, wie ein weiterer Akteur der Hollywood Familie schmerzlich bestätigen wird:

Denn als Morgan Freeman zu einer Journalistin gesagt haben soll, „Das Vergnügen war ganz meinerseits. Sehen Sie sich an“ und „Stehen Sie auf ältere Männer“ wurden erste Werbeverträge aufgekündigt und breit spekuliert, ob man dem „Sextäter“ Morgan Freeman seine zahlreichen Auszeichnungen aberkennen soll.

Seither wird auch Freeman in der fortwehrend länger werdenden Liste aller prominenten Männer, die sich #metoo schuldig gemacht haben öffentlich auf Wikipedia geführt.

In Schweden wäre das Freeman zwar nicht passiert, dort hat man seit Kurzem nämlich ein neues Gesetz: „Ja heißt Ja“. Vor jeder einzelnen sexuellen Handlung muss ausdrücklich zugestimmt werden:

„Darf ich Deinen Oberschenkel berühren?“ „Ja“.

„Darf ich meinen Penis in Dich einführen?“ „Ja“

„Darf ich Deinen Penis vorher noch in den Mund nehmen?“ „Ja“

Dann ist aber der Satz „Stehst Du auf ältere Männer?“ eigentlich völlig ok. Lautet die Antwort „Nein“ weiß man woran man ist, bei „Ja“ auch.

Aber Freeman lebt nicht in Schweden. Und außerdem soll der Satz nach Auffassung von selbsterklärten Belästigungsexpert*innen trotzdem sexuell belästigend – also #metoo sein. Zwar hat Freeman niemanden angefasst oder sexuell missbraucht. Auch hat er – anders als die Vorwürfe gegen Harvey Weinstein – niemanden vergewaltigt. Und was jemand als sexuell oder als belästigend fühlt, ist schließlich rein subjektiv.

Solche rabulistischen Spitzfindigkeiten können beim jüngsten #Metoo-Fall ohnehin dahinstehen. Denn laut Vorwurf soll die italienische Schauspielerin (und zugleich Hauptbeschuldigerin von Harvey Weinstein) Asia Argento dem 20 Jahre jüngeren Kollegen Jimmy Bennett gegenüber sexuell übergriffig geworden sein.

„Die Revolution frisst ihre Kinder“ schrie einst Pierre Vergniaud, einer der Initiatoren der französischen Revolution, eh man auch ihm den Kopf auf dem Schaffot abschlug – übrigens aus denselben Gründen, wie einst König Ludwig XVI:

Denn „was die Republik ausmacht, ist die vollständige Vernichtung dessen, was gegen sie ist.“ (Antoine de Saint-Just über Robespiere)

Den neuesten Metoo-Skandal rund um Schauspielerin Asia Argento kann man aber durchaus moderner umschreiben: #Shetoo.

2018-08-21T22:05:51+00:00 Von |