Erstberatung im Strafrecht

Bevor man einen Anwalt beauftragt empfiehlt es sich dringend einen auf das jeweilige strafrechtliche Gebiet spezialisierten Anwalt herauszusuchen und zunächst eine Erstberatung einzuholen. Denn kaum ein anderes Rechtsgebiet kennt so viele unterschiedliche Konsequenzen und Varianten der Verfahrensbeendigung wie das Strafrecht.

Gerade weil das Strafverfahren ein solch großes Spektrum an möglichen Szenarien und vor allem großen Ermessensspielräumen vorsieht, sind Kompetenz und Erfahrung des Anwalts essentiell – ähnlich wie beim Arzt. Im Strafrecht steht und fällt damit der Erfolg mit der Wahl des Anwalts.

Im Wege der Erstberatung kann der Ratsuchende den Anwalt persönlich kennenlernen, kritische Nachfragen stellen und dessen Expertise, Erfahrung und sich so ein eigenes Bild von Kompetenz und Erfahrung des Anwalts machen.

 

Was beinhaltet / bietet eine Erstberatung im Strafrecht?

Die Erstberatung im Strafrecht kann gleich mehreren wichtigen Zwecken dienen:

Zum einen können dem Ratsuchenden vorab der weitere Ablauf des Strafverfahrens und mögliche Folgen erklärt und damit schon mal Verunsicherung oder Ängste genommen werden (Was droht mir schlimmstenfalls, Fragen zum weiteren Prozedere der Ermittlungsbehörden etc.). Insbesondere können aber auch die weiteren notwendigen Schritte und etwaige rechtlichen Chancen und Optionen erörtert werden (mögliche Anträge, typische Handhabung des geschilderten Falls im jeweiligen Gerichtsbezirk etc.).

Zum anderen kann man sich im Rahmen der Erstberatung auch ein erstes Bild von einem Anwalt machen, ohne diesen gleich vorab mit dem gesamten Fall zu beauftragen. Denn Vertrauen, Kompetenz und der persönliche Eindruck sind für die Wahl eines Anwalts – ähnlich wie beim Arzt – essentielle Kriterien,  gerade im Strafrecht. In kaum einem anderen Rechtsgebiet kommt es für den Ausgang eines Strafverfahrens nämlich so sehr auf die Wahl des richtigen Anwalts an wie im Strafrecht. Schließlich kennt auch kaum ein anderes Rechtsgebiet so viele unterschiedliche Konsequenzen und Varianten der Verfahrensbeendigung: Verfahrens-Einstellung mit oder ohne Geldauflage, (schriftlicher) Strafbefehl, Verweis auf den Privatklageweg, Nichteröffnung des Verfahrens, Freispruch,  Absehen von Strafe, bloße Verwarnung mit Strafvorbehalt, Freiheitsstrafe von wenigen Monaten bis zu vielen Jahren – mit oder ohne Bewährung. Gerade weil das Strafverfahren ein solch großes Spektrum an möglichen Szenarien und vor allem großen Ermessensspielräumen vorsieht, sind Kompetenz und Erfahrung des Anwalts also so essentiell. Mit ihm steht und fällt der Erfolg im Strafrecht.

Im Wege der Erstberatung kann der Ratsuchende den Anwalt persönlich kennenlernen, kritische Nachfragen stellen und dessen Expertise, Erfahrung und gegebenenfalls auch die zwischenmenschliche Sympathie ausloten.

Wichtig: Die Erstberatung erfolgt auf Grundlage des vom Betroffenen geschilderten Sachverhalts. Eine konkrete Verteidigungsstrategie kann erst nach vollständiger Akteneinsicht erfolgen! Denn nur in der Ermittlungsakte sind sämtliche polizeiliche Ermittlungen und alle aus Sicht der Staatsanwaltschaft das Verfahren betreffende Informationen protokolliert, mit deren Kenntnis erfolgsversprechende weitere anwaltliche Maßnahmen veranlasst werden können.

 

Was kostet eine Erstberatung?

Grundsätzlich gilt die Regel, dass anwaltlicher Rat Geld kostet. Dies ist sogar vorgeschrieben. Denn jeder Fall ist anders gelagert und erfordert daher eine individuelle Einschätzung der Sach- und Rechtslage, was eine konkrete Beschäftigung mit den zur Verfügung stehenden Informationen und damit auch Zeit in Anspruch nimmt. Und eine gute anwaltliche Vertretung kostet eben auch Geld – alles andere ist nicht nur standesrechtswidrig, sondern auch unseriös!

Die Frage der Kosten einer Erstberatung wird höchst unterschiedlich gehandhabt.

Die gesetzliche Höchstgebühr für eine Erstberatung beträgt 190,00 EUR zzgl. MSt. (also höchstens 226,10 €). Dabei spielt es keine Rolle, wie lange die Beratung dauert oder wie schwierig die Rechtslage ist. Möglich ist aber auch eine individuelle Honorarvereinbarung über das Erstgespräch, die allerdings vorab und schriftlich erfolgen muss. Dies bietet sich vor allem bei schwierigeren Fällen an die eine Einarbeitung in den Fall oder ein längeres Beratungsgespräch erfordern.

Anders kann es sich verhalten, wenn es sich lediglich um eine reine Mandatsanbahnung handelt. Für eine bloße Anfrage hinsichtlich der möglichen Übernahme eines Mandates oder einer kurzen Auskunft zu den möglichen Optionen und Kosten einer strafrechtlichen Vertretung wird von seriösen Anwaltskanzleien üblicherweise noch kein Geld verlangt, selbst wenn in diesem Gespräch eine kurze telefonische Auskunft erteilt werden sollte. Freilich kann ein solches Gespräch eine fundierte Erstberatung dann auch nicht ersetzen.

 

Lohnt sich eine Erstberatung im Strafrecht?

Angesichts der Vielzahl an drohenden Konsequenzen und des grundsätzlich offenen Ausgangs eines jeden Strafverfahrens gilt gerade im Strafrecht die goldene Regel, dass man IMMER EINEN ANWALT beauftragen sollte – und sei es nur für eine Erstberatung.

Der entscheidende Vorteil einer Erstberatung ist dabei, dass man sich noch nicht auf den kontaktierten Anwalt festlegen muss und sich zunächst einen persönlichen Eindruck von Kompetenz und Erfahrung des kontaktierten Anwalts verschaffen oder noch eine Zweitmeinung einholen kann, ohne gleich mit unvorhergesehenen hohen Kosten konfrontiert zu sein. (Wenngleich ein Anwaltswechsel im Falle einer bereits erfolgten Beauftragung JEDERZEIT MÖGLICH ist – nur werden einem dann meist keine oder nur deutlich geringere Anwaltskosten zurückerstattet).

Mit dem Wunsch nach einer Erstberatung werden übrigens auch keine falschen Erwartungen geweckt, denn die Frage ob man den beratenden Anwalt dann auch für den Fall mandatiert ist von dem Erstberatungstermin gänzlich unabhängig und keineswegs Voraussetzung. Dies schafft auch erfahrungsgemäß eine ungezwungenere und zugleich kritischere Atmosphäre für den Ratsuchenden, da er sich zu nichts verpflichtet fühlen muss.

 

Wichtige Hinweise zum Schluss:

Eine Erstberatung ist essentiell wichtig, um sich eingehend zum weiteren Verfahrensgang, den juristischen Optionen im Falle einer Beauftragung und der ganz allgemeinen Handhabung der Justizpraxis in gleichgelagerten Fällen beraten zu lassen sowie einen fundierten ersten Eindruck über Erfahrung und Kompetenz des kontaktierten Anwalts zu gewinnen.

Konkrete, für den Einzelfall geeignete Verteidigungsstrategien oder eine solide Einschätzung was der Anwalt  für einen konkret erreichen könnte, sind ohne Akteneinsicht und eingehendes Aktenstudium dagegen nicht möglich.

Höchste Vorsicht ist daher geboten, wenn sofort Versprechungen gemacht werden oder auf eine anwaltliche Mandatierung gedrängt wird, ohne sich zuvor vom Mandanten hinreichend über den Sachverhalt informieren zu lassen getreu dem Motto: „Ganz egal welcher Fall, ich mach alles“.

Auch auf Kostentransparenz sollte geachtet werden: Im Strafrecht sind insoweit Stundensatzvergütungen und Pauschalen durchaus üblich. Dies muss aber ausdrücklich vorher (schriftlich) vereinbart werden. Der seriöse Anwalt wird sich daher vorab beim Ratsuchenden informieren, um was es genau geht, um den Aufwand des in Frage stehenden Sachverhaltes in etwa abzuschätzen. Dies gilt im Übrigen auch für die Erstberatung. Insbesondere dann, wenn der Ratsuchende bereits die Akten (z.B, im Rahmen einer Zweitberatung im Strafrecht) hat, können die Kosten der Erstberatung auch deutlich höher liegen, sofern dies vorab (schriftlich) vereinbart wird.

Scheuen Sie sich also bitte nicht die Frage nach den möglichen Kosten offen anzusprechen. Der seriöse Anwalt wird dies ohnehin von sich aus tun.

Bringen Sie zum Erstberatungstermin sämtliche Unterlagen mit, die Sie den Fall betreffend im Besitz haben, insbesondere etwaige Schreiben der Polizei (Vorladung, Protokolle etc.) und skizzieren Sie möglichst den Sachverhalt vorab, so wie er sich aus ihrer Sicht zugetragen hat. Wichtig ist dabei, dass Sie dem Anwalt gegenüber offen und ehrlich sind, nichts verschweigen und auch keine Informationen weglassen, selbst wenn Sie der Meinung sind, dass dies die anwaltliche Einschätzung negativ beeinflussen könnte. Der Anwalt ist (auch bei der Erstberatung) gesetzlich zur absoluten Verschwiegenheit verpflichtet, eine möglichst objektive Einschätzung des Falls ist aber nur dann gewährleistet, wenn der Anwalt so umfassend wie möglich informiert ist (gerade wenn er die Ermittlungsakte noch nicht kennt).

 

2019-04-15T13:50:19+00:00