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Anzeige / Vorladung Polizei 2017-06-11T22:53:24+00:00

Verhalten bei einer polizeilichen Vorladung oder Strafanzeige

Bei JEDEM Kontakt durch die Polizei oder andere Ermittlungsbehörden gilt:

1. Keine Aussage gegenüber der Polizei! – ob Sie sich etwas vorzuwerfen haben oder nicht!
(und auch nicht gegenüber Freunden oder Dritten)

Denn in fast allen Strafverfahren wird der Beschuldigte aus heiterem Himmel mit welch auch immer gearteten Vorwurf konfrontiert. Dies ist auch so beabsichtigt, um vor allem den Überraschungs- und Überrumpelungseffekt auszunutzen.

Bei allen Äußerungen zu einem strafrechtlich relevanten Vorwurf ist daher höchste Vorsicht geboten, denn der Betroffene kann zu diesem Zeitpunkt in der Regel überhaupt nicht wissen, was ihm konkret zur Last gelegt wird, was die Ermittlungsbehörden tatsächlich wissen, was etwaige Zeugen ausgesagt haben und welche Anschuldigung damit letztlich im Raum steht.

Nicht selten versucht die Polizei wegen mangelnder Beweise ihre Wissenslücken mit fragwürdigen Methoden zu schließen etwa mit Sätzen wie: „Wenn Sie es nicht waren, dann können Sie uns ja sagen wie es aus Ihrer Sicht tatsächlich war“ oder „Wenn Sie es zugegeben, dann wird Ihnen das nur helfen“ usw…..

Auch wird nicht selten mit staatlichen Eingriffsmitteln wie. z.B. vorläufiger Festnahme, Durchsuchung, erkennungsdienstlicher Behandlung, vermeintlicher Verfahrensvorteile oder gar der Vorführung beim Haftrichter versucht, erheblichen Druck beim Beschuldigten aufzubauen, um so zu einer vorschnellen Aussage und einem schnellen  Ermittlungsergebnis zu kommen.

Deshalb ist es auch so wichtig, dass man – schuldig oder nicht – keinerlei Aussagen gegenüber der Polizei oder sonstigen Ermittlungsbehörden macht! Auch dann nicht, wenn man der Ansicht ist, nichts zu „verbergen“ zu haben. Denn oftmals hören wir von unseren Mandanten, dass die Polizei damit argumentiert, dass wenn man nichts zu verbergen hätte, auch ruhig aussagen könne und dass die  Aussageverweigerung schon quasi indiziere, dass man „Dreck am Stecken“ habe etc…

Solche Argumente sind schlicht weg falsch und an der Grenze der Rechtsstaatlichkeit. Denn im deutschen Recht gilt der eheren Grundsatz, dass man sich niemals selbst belasten muss und das Schweigen eines Beschuldigten zu keinem Zeitpunkt juristisch negativ ausgelegt oder verwertet werden darf.

Eine dennoch getätigte Aussage z.B. aufgrund polizeilicher „Tricks führt aufgrund der oftmals überlegenen Frage- und Vernehmungstechnik der Polizei zu vorschnellen Aussagen und dass Betroffene angesichts der Drohung mit polizeilichen Repressalien oder hohen Haftstrafen mit der Vernehmungssituation hoffnungslos überfordert sind.

Auch gilt es zu wissen, dass die Polizei bei Vernehmungen regelmäßig nur ein sog. Inhaltsprotokoll aber kein Wortprotokoll fertigt. Das bedeutet, dass der Polizist das vom Beschuldigten Gesagte mit seinen eigenen Worten, in seinen eigenen Formulierungen und Ausdrucksweisen notiert und nicht so, wie es der Beschuldigte wörtlich gesagt oder formuliert hat. Das wiederum führt zwangsläufig zu Fehlinterpretationen und inhaltlichen Missverständnissen, die nicht mehr rückgängig zu machen sind und zur Grundlage aller weiteren Ermittlungen und einer etwaigen Verurteilung werden können!

Nicht selten führen bloße rhetorische Missverständnisse und Falschprotokollierungen in späteren Gerichtsverhandlungen zu Sätzen von Richtern und Staatsanwälten wie: „Aber bei der Polizei haben Sie das ganz anders gesagt.“ 

Dem Betroffenen bleibt es allerdings jederzeit unbenommen, sich zu einem späteren Zeitpunkt – nachdem ein Anwalt Akteneinsicht genommen und ausführlich beraten hat – auszusagen – aber wie oben gezeigt, niemals in vorschnellem Eifer und niemlas ohne vroherige Rücksprache mit seinem Anwalt!

Übrigens gilt der Rat, außer gegenüber dem Anwalt keinerlei Aussagen zur Sache zu machen auch in Bezug auf andere Menschen (Freunde, Partner, Kollegen), denn auch diese Personen könnten von der Polizei wiederum als Zeugen (vom Hörensagen) in Betracht kommen um an die von Ihnen weitergegebene Information zu gelangen.

2. Spezialisierten Anwalt aufsuchen

Unmittelbar nach dem Bekanntwerden von polizeilichen Ermittlungen – aber unbedingt bevor man mit der Polizei oder anderen Behörden zu der Sache etwas sagt (s.o.) sollte man sich umgehend an einen spezialisierten Anwalt wenden, der dann den Beschuldigten von einem polizeilichen Erscheinen zu einem etwaigen Vernehmungstermin entschuldigt und erst einmal Akteneinsicht bei der Staatsanwaltschaft nimmt eh der Angabe überhaupt irgendwelche Angaben zur Sache macht.

Nach erfolgter Akteneinsicht bespricht der Anwalt den Akteninhalt und alle möglichen Be- und Entlastungsmomente in tatsächlicher und rechtlicher Sicht. In diesem Zusammenhang hat der Beschuldigte auch die Möglichkeit, zusammen mit bzw. durch seien Anwalt auf die Vorwürfe konkret Stellung zu nehmen und etwaige Widersprüche aufzudecken die dann ggf. der Staatsanwaltschaft in einer sog. Verteidigerschrift mitgeteilt werden, mit dem regelmäßigen Ziel eine Einstellung des Strafverfahrens zu erwirken.

Das Ermittlungsverfahren wird leider – auch von Anwälten – in seiner Bedeutung unterschätzt. Denn ob und wie ein im Raum stehendes Gerichtsverfahren abläuft und vor allem ausgeht, ist weitestgehend vom Ermittlungsverfahren bestimmt. Im Ermittlungsverfahren werden die Weichen für ein annehmbares, aber auch für ein falsches Urteil gestellt, sodass Mängel, falsche Beratung und falsche Vorgehensweise im Ermittlungsverfahren in der Regel in einem gerichtlichen Hauptverfahren nur mehr schwer zu beseitigen sind.

Strafverfahren sind eine große Belastung und oftmals mit schwerwiegenden rechtlichen und privaten Konsequenzen verbunden.

Daher empfiehlt es sich dringend vor einer Aussage bei der Polizei einen spezialisierten Anwalt zu Rate zu ziehen, um verfahrensentscheidende Nachteile zu verhindern!

Soweit bereits Rechtseingriffe wie Durchsuchung, Festnahme, Erkennungsdienstliche Behandlung, Vorladung etc. drohen oder bereits stattgefunden haben, gilt auch hier der Grundsatz sofort einen spezialisierten Anwalt zu Rate zu ziehen (auch ein Anwaltswechsel ist zu jedem Zeitpunkt des Verfahrens möglich!). Denn oftmals werden solche Maßnahmen ausschließlich zur Beschleunigung des Aussageverhaltens ergriffen und sind nicht selten rechtswidrig oder zumindest in deutlich abgeschwächter, milderer Form  anwendbar.

Natürlich wird man im Regelfall Informationen zu Verhaltensweisen im Umgang mit   polizeilichen Beschuldigungen erst im Nachgang einholen, sodass Mandanten nicht selten schon vor dem Gang zum Anwalt doch schon mit der Polizei gesprochen oder sogar eine Aussang getätigt haben.

Aber auch in solchen Fällen gilt der Grundsatz: Besser spät als nie. Denn auch wenn aus den oben genannten Gründen vorschnelle Aussagen ohne anwaltliche Expertise grundsätzlich ungünstig sind, kann der versierte Strafverteidiger darauf hinwirken das Unstimmigkeiten richtiggestellt oder falschverstandene Protokolle verbessert werden um aber auch ungehindert dessen alle anderen Möglichkeiten des Ermittlungsverfahrens für den Mandanten auszuschöpfen.

So kann es angezeigt sein, auf die Einholung von Sachverständigengutachten hinzuweisen oder solche selbst einzuholen, auf diverse Nachermittlungen, weitere Zeugenvernehmungen, Nachvernehmungen oder rechtliche Probleme hinzuweisen, in geeigneten Fällen an Strafmilderungsoptionen zu denken (Stichwort Täter-Opfer-Ausgleich) oder aber im Dialog mit der Staatsanwaltschaft auszuloten, inwiefern eine Verfahrenseinstellung, ein bloßer Strafbefehl (ohne das man also bei Gericht erscheinen muss) oder aber die Anklage nur zu einem Amts- anstatt eines Landgerichts (mit deutlich niedrigerer Straferwartung) möglich sind.

Dabei können schon mit dem Verweis auf strafprozessuale oder schlicht aus dem Gesetz ergebende rechtliche Probleme oder einer überlangen Verfahrensdauer, erste Verfahrensabsprachen im Sinne des Mandanten gefördert und überdurchschnittliche Ergebnisse erzielt werden.

Zusammenfassend gilt also, im Falle einer Vorladung durch Polizei oder andere Ermittlungsbehörden bzw. bei direkter Konfrontation einer Straftat durch die Strafverfolgungsbehörden keine Aussage tätigen und sofort einen auf Strafrecht bzw. einen auf den entsprechend strafrechtlich in Frage stehenden Bereich spezialisierten Anwalt kontaktieren. Nicht durch irgendwelchen Druck seitens Polizei Staatsanwaltschaft oder Gerichten hiervon abbringen lassen. Das Recht zu schweigen darf einem zu keinem Zeitpunkt negativ ausgelegt werden.

Sollten bereits Aussagen getätigt worden sein, dennoch so schnell wie möglich anwaltlichen Rat einholen getreu dem Motto besser spät als nie um so weitere einschneidende Verfahrensnachteile abzuwenden.

Eine gute strafrechtliche Vertretung setzt neben einem Höchstmaß an fachlicher Kompetenz vor allem  besondere Erfahrung im Umgang mit Polizei, Staatsanwaltschaft und Gericht voraus.
Unsere Kanzlei – bestehend aus (Fach)Anwälten, Universitätsdozenten und einem ehemaligen Staatsanwalt – ist ausschließlich auf das Strafrecht spezialisiert wobei jeder unserer Anwälte einen besonderen Schwerpunkt auf besondere Teilgebiete des Strafrechts hat, um unseren Mandanten – ähnlich dem spezialisierten Facharzt in der Medizin – mit langjähriger Erfahrung und hochspezialisierter Expertise bundesweit und kompetent in allen Stadien des Strafverfahrens zur Seite zu stehen.
Kontaktieren Sie uns im Bedarfsfalle jederzeit per Mail an anwalt@verteidigung-strafrecht.de oder rufen Sie uns gerne an unter Telefon: +49 (89) 89 08 44-89 um in einem ersten unverbindlichen Gespräch uns Ihr Anliegen zu schildern, mögliche Optionen und/oder Erfolgsaussichten einer anwaltlichen Vertretung zu beurteilen und etwaige Kosten im Falle einer Beauftragung zu besprechen.