! Blog – Team-Verteidigung Konfrontative Verteidigung 2018-03-03T20:40:02+00:00

Team- und  konfrontative Verteidigung

Zeitgleiche Vertretung durch mehrere Anwälte   vs.   Ausschöpfung aller prozessualen Mittel

Gerade bei Prozessen bei denen eine hohe Straferwartung und / oder großes öffentlichen Interesse drohen (wie etwa bei Sexualdelikten), steht der Beschuldigte/Angeklagte einer Übermacht an prozessualen Gegnern gegenüber, angefangen von Staatsanwalt, Nebenkläger, Sachverständigen, bis hin zu den Medien und nicht selten auch voreingenommener Richter.

Die gerichtliche Verurteilungsquote liegt in Deutschland bei weit über 80 % und wer vom Landgericht verurteilt wird, bekommt zudem faktisch nicht einmal eine zweite Chance ein Urteil von dem nächst höheren Gericht überprüfen zu lassen. Denn die Rechtsmittel hiergegen beschränken sich auf eine rein rechtliche Überprüfung des Urteils, will heißen, Zeugen und andere, auch entlastende Beweise werden nicht berücksichtigt, es kommt lediglich darauf an, dass der/die Richter der Vorinstanz keine rechtlichen Fehler gemacht haben. Aufgrund dieser sehr engen  Anfechtungsmöglichkeiten gegen erstinstanzliche Urteile von Landgerichten liegt die Erfolgsquote bei gerade einmal 3 – 10%.

Eine bestmögliche Verteidigung unter Ausnutzung sämtlicher strafprozessualer Möglichkeiten (auch im Hinblick auf etwaige Rechtsmittel) ist daher in Verfahren vor den Landgerichten zwingend um etwaige Fehler eines Gerichts frühzeitig erkennen, rechtlich mögliche Finessen zu nutzen oder mediale Beeinflussungen gekonnt zu begegnen. Nur so steigt die begründete Chance, dass – mit Blick auf die Möglichkeit eines Freispruchs, einer niedrigen Strafe oder aber auch des Rechtsmittels der Revision – Fehlentscheidungen, zu harte oder schlicht falsche Urteile vermieden werden. Dies ist aber nur dann möglich, wenn man suffizient verteidigt ist, was in der Regel ein Anwalt allein nicht zu leisten vermag, zumindest dann nicht, wenn das Verfahren vor dem Landgericht stattfindet, bei dem deutlich strengere Formalkriterien, überstrapazierte Rügeobliegenheiten (um im Rechtsmittelverfahren überhaupt rechtliches Gehör zu finden) und eine deutlich höhere Anzahl an möglichen Gegnern (am Landgericht verhandeln neben dem Staatsanwalt erstinstanzlich mindestens zwei Richter) vorherrschen.

Aber auch, wenn es „nur“ um die Vertretung vor dem Amtsgericht geht, kann eine anwaltliche Vertretung durch mehrere Strafverteidiger indiziert sein, z.B. dann wenn es um Verfahren mit erhöhter medialer Aufmerksamkeit und schon deshalb um den bestmöglichen Ausgang des Verfahrens bzw. auch hier um Vollzugs-Haftstrafen geht (das Amtsgericht kann als sog. Schöffengericht bereits bis zu 4 Jahre Freiheitsstrafe verhängen).

Dem Motto folgend „Vier Augen sehen mehr als zwei“ haben wir uns daher auf die zeitgleiche Verteidigung durch mehrere Anwälte spezialisiert, sprich der Vertretung durch zwei oder drei Strafrechtsexperten gleichzeitig – denn was viele nicht wissen: Man muss sich im Strafprozess nicht auf einen einzigen Verteidiger beschränken. Wohl aus den oben genannten Gründen erlaubt das Gesetz einem Beschuldigten / Angeklagten die gleichzeitige Verteidigung durch bis zu drei frei wählbare Anwälte (zuzüglich eines etwaigen Pflichtverteidigers). Nur so gelingt was ein einzelner Verteidiger nicht zu leisten vermag: Eine druckvolle und deutlich effizientere Zeugenbefragung (Stichwort: „Kreuzverhör), eine deutlich höhere Erkennung formaler wie rechtlicher Fehler des Gerichts und eine effizientere Abschirmung von Sympathien und Antipathien gegenüber dem Mandanten.

Gerade weil unsere Kanzlei neben zahlreicher Verfahren in bedeutenden Prozessen – vor allem auch vor den Berufungs- und Revisionsgerichten tätig ist, wissen wir alle rechtlichen und tatsächlichen Möglichkeiten für den Mandanten gänzlich auszuschöpfen, wenn es sein muss, auch im konfrontativen Kampf, mit Experten, die auf die verschiedenen Prozesssituationen spezialisiert sind (Stichwort: Spezialist für Aussagepsychologie bei Zeugenbefragung, Revisionsspezialist mit ständigem Blick auf etwaige Rechtsfehler des Gerichts, Konfliktverteidger bei konfrontativer Verhandlungssituation, Experte für das jeweilige Teilgebiet des Strafrechts etc.). Nur so gelingt es,  regelmäßig überdurchschnittlich gute Ergebnisse für den Mandanten zu erzielen.

Konfliktverteidigung

Strafverteidigung ist Kampf um das bestmögliche Ergebnis – Ob Freispruch, Verfahrenseinstellung oder eine angemessene Strafe unter Berücksichtigung aller Verfahrens- und außenprozessualen Nachteile, rechtlichen Problemen oder privaten Konsequenzen.

Dabei ist eine geständige Strafmaßverteidigung die oft mit einer Verfahrensabsprache (sog. Deal) einhergeht, nicht immer zielführend – Zumindest dann nicht, wenn begründete Aussicht auf eine andere Bewertung des angeklagten Sachverhalts besteht z.B. weil sich die Tat(en) nicht mit der für eine Verurteilung erforderlichen Sicherheit beweisen lässt (lassen), problematische Rechtsfragen bestehen oder andere vielfältige Gründe vorliegen, die den Schluss nahe legen, ein besseres Ergebnis für den Mandanten erzielen zu können, als dies im Rahmen eines Deals oder Geständnisses möglich wäre.

Nicht selten erfordert dies aber eine rigorose Umsetzung der Rechtsposition des Mandanten. Fehlerhafte Anordnungen eines Gerichts können dann nicht einfach widerspruchslos hingenommen, Richter müssen dann schon mal wegen Befangenheit ablehnt oder in einem laufenden Verfahren Beweiserhebungen beantragt werden.

Obwohl das völlig selbstverständlich erscheint, scheuen viele Strafverteidiger einen solch offenen „Konflikt„, um nicht von Gerichten, aber auch den eigenen Anwaltskollegen als sog. „Konfliktverteidiger“ dazustehen. Denn in den Augen Vieler, gilt ein solches Verhalten als eine bloße Form des Krawalls, nur um die Verurteilung des Mandanten zu verzögern.

Wir verstehen die ureigenste Aufgabe eines Rechtsanwaltes aber darin, seinem Mandanten den Zugang zum Recht zu verschaffen und ihn vor gerichtlichen Fehlentscheidungen zu bewahren! Gerade im Strafrecht ist das Ergebnis nämlich nicht selten offen, vor allem dann, wenn tatsächliche, wie z.B. beweiserhebliche Tatsachen nicht eindeutig sind, Sachbeweise fehlen oder Zeugen widersprüchliche Angaben machen. Auch aus rechtlicher Sicht können sich oft genug juristische Probleme ergeben, die am Ende ein ganz anderes Ergebnis erwarten lassen.

Natürlich kann es nach einer umfassenden Analyse des Falls auch einmal sinnvoll sein, ein langwieriges Verfahren durch eine Verfahrensabsprache abzukürzen oder in offensichtlichen Fällen das Strafmaß durch eine geständige Zusammenarbeit mit den Strafverfolgungsbehörden zu reduzieren. Doch kann und darf dies nicht der Regelfall sein, will man sein Recht auf ein faires, objektives und rechtsstaatliches Verfahren nicht aufgeben.

Da wo erforderlich, muss der konstruktive, juristische Konflikt gesucht und ausgehalten werden. Hauptaufgabe des Verteidigers kann daher nicht sein, Gericht und Staatsanwaltschaft zu umarmen und die Urteilsabsprache als dessen eigentliche Domäne zu begreifen. Schließlich sind es nun mal widerstreitende Interessen die zwischen einer auf Verurteilung abzielenden Anklage eines Staatsanwaltes und einem auf Freispruch oder einer deutlich geringeren Strafe sinnenden Verteidigung bestehen.

Unsere Kanzlei hat es sich daher zur Aufgabe gemacht, sich nicht dem Willen des Gerichts unterzuordnen, sondern zu kämpfen, wenn dies nötig ist – mit allen hierfür zur Verfügung stehenden strafprozessualen Mitteln. Dabei geht es nicht darum, möglichst respektlos oder vorlaut aufzutreten, sondern – ganz im Gegenteil – mit Intellekt, Erfahrung und Strategie auf Augenhöhe mit dem Gericht zu überzeugen.